Start Veranstaltungen Ali -willkommen zurück
Ali -willkommen zurück

01.10.2012 Freie Presse

Buntes Bürgerforum diskutiert Abschiebung

Der Iraner Ali G. wurde 2010 abgeschoben - Heute lebt er mittellos in Teheran

von Steffi Hofmann

Limbach-Oberfrohna - Was bedeutet es für einen Menschen, wenn er unfreiwillig aus seiner Umgebung, in der er sich wie zu Hause fühlt, herausgerissen wird? Dieser Frage ist das Limbach-Oberfrohnaer Bunte Bürgerforum für Demokratie bei einem Diskussionsabend nachgegangen. Die Organisatoren veranstalteten den Abend im Rahmen der Interkulturellen Woche, in deren Namen deutschlandweit bis zum Wochenende Veranstaltungen unter dem Motto "Herzlich willkommen - wer immer du bist" stattfanden.

Die Mitglieder des Bürgerforums widmeten sich dabei dem Fall Ali G., einem aus dem Iran stammenden Mann, der bis 2010 in Limbach lebte und von einem Tag auf den anderen in sein Heimatland abgeschoben wurde. Ali G. wurde 1958 geboren und kam als Flüchtling 1996 aus Teheran nach Deutschland. 1999 hat er eine deutsche Frau geheiratet und in Hohenstein-Ernstthal einen Imbiss betrieben. "Er hatte eine Familie und hat gearbeitet", sagte Iris Raether-Lordieck vom Forum, die ihn ein Vierteljahr vor seiner Abschiebung kennenlernte, weil er selbst Mitglied im Bunten Bürgerforum wurde. Im Jahr 2004 lief seine Aufenthaltsgenehmigung ab. Von diesem Zeitpunkt an durfte er nicht mehr arbeiten. Als er sich ein Jahr später von seiner Frau scheiden ließ, wurde ihm auch sein Pass entzogen. "Es ging ihm psychisch und körperlich sehr schlecht", sagte Raether-Lordieck, die sich bei Freunden von Ali G. über den Mann informierte. Im Jahr 2005 zog der Iraner nach Limbach-Oberfrohna. 2006 drohte ihm die Abschiebung. Daraufhin wollte er sich das Leben nehmen, kam ins Krankenhaus und durfte vorerst in Limbach bleiben. "Er hatte sogar Angebote für eine Arbeit, aber durfte sie nicht annehmen, weil eben die Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen war. Das war für ihn schwer zu ertragen", berichtete Gerhard Schönherr, Kirchenbezirkssozialarbeiter der Diakonie.

Weil Ali G. seinen Reisepass nicht selbst besaß, sondern ihn die Ausländerbehörde einbehalten hatte, wusste er nicht, dass dieser am 9. Mai 2010 abläuft. "In der Nacht des 2. Mai wurde der Iraner in seiner Limbacher Wohnung von der Polizei aus dem Bett geklingelt, sofort fixiert, ohne Kleidung, ohne Geld oder sonstiges Hab und Gut und wurde abgeführt", erzählte Iris Raether-Lordieck. Seitdem lebe der heute 54-Jährige im Iran, bei seiner Tochter und deren Familie, in einer 50 Quadratmeter großen Wohnung. "Er hat kein Geld, keine Arbeit und ist dazu an Krebs erkrankt", sagte sein Freund Bahram Straß, der in Düsseldorf lebt und als Gast bei der Diskussion anwesend war. "So etwas geschieht nach deutschem Recht, also auch in meinem Namen. Dafür schäme ich mich", sagte Iris Raether-Lordieck.

Dass Ausländer, die in Deutschland integriert sind, abgeschoben werden, sei Realität. "Doch der Fall Ali ist ein Härtefall", so Sibylle Wunderlich, Mitglied im Sächsischen Flüchtlingsrat Chemnitz. Zwar sei es nicht ungewöhnlich, dass die Polizei mitten in der Nacht komme, doch bleibe in der Regel Zeit, um 20 Kilogramm Hab und Gut einzupacken. "So hart, wie bei Ali vorgegangen wurde - er hatte nicht einmal die Möglichkeit, eine Hose anzuziehen - so etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Wunderlich weiter. Momentan sei es eher unrealistisch, dass Ali G. wieder nach Deutschland, nach Limbach, zurückkommen könne, schätzte Angela Gommon-Voit, Sozialarbeiterin vom Caritasverband, ein.

 

 
Buntes Bürgerforum - Limbach-Oberfrohna, Powered by Joomla! and designed by SiteGround web hosting