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Irmela Schramm

 

erschienen in der Freien Presse am 19.09.2012 ( Von Steffi Hofmann )

Limbach-Oberfrohna: Fotos gegen Hass-Parolen

Zu den Projekten im Kampf gegen Rechtsextremismus gehört auch eine Fotoausstellung über rassistische Schmierereien

Aktivistin

Die Berliner Menschenrechts-Aktivistin Irmela Mensah-Schramm gestaltet im Albert-Schweitzer-Gymnasium in Limbach-Oberfrohna eine Fotoausstellung zum Thema "Hass vernichtet". Die ehemalige Heilpädagogin wurde bekannt durch die Dokumentation von rassistischen und antisemitischen Aufklebern sowie Graffiti in Berlin, die sie entfernte.  Foto: A. Seidel

Limbach-Oberfrohna. Auch wenn es derzeit keine erheblichen Vorkommnisse in Limbach-Oberfrohna gibt - ein harter rechtsextremistischer Kern bestehe immer noch in der Stadt, sagt Präventionsberater Dietrich Oberschelp. "Die Lage hat sich noch nicht entspannt. Wir finden permanent zu viele rechtsextreme Sachbeschädigungen, wie Schmierereien oder Aufkleber im Stadtgebiet vor. Wir müssen weiter wachsam sein", sagt er.

Seit 2011 treffen sich in Limbach-Oberfrohna Personen aus verschiedenen Kreisen in einem Netzwerk, um über Maßnahmen zu diskutieren, wie man nachhaltig Flagge gegen Rechtsextremismus zeigen kann. Insgesamt hat die große Kreisstadt knapp 105.000 Euro für das Netzwerk des guten Willens zur Verfügung. Dazu gehören ein Interkultureller Tag, eine Fahrt nach Buchenwald sowie eine nach Auschwitz, das 24-Stunden-Schwimmen im Limbomar und Erhebungen von Schmierereien und rechtsextremen Vorfällen. Des weiteren sollen Menschen aus Limbach-Oberfrohna, die ursprünglich aus anderen Ländern kommen, zur ihrer Lebenssituation befragt werden. "Freie Presse" stellt eine Auswahl der Vorhaben vor.

Ausstellung zum Thema Hass: Bis zum 1. Oktober läuft im Albert-Schweitzer Gymnasium die Fotoausstellung "Hass vernichtet" von Irmela Mensah-Schramm (500 Euro aus dem Netzwerkbudget). Die Berlinerin ist eine Aktivistin für Menschenrechte und wurde 1986 dadurch bekannt, dass sie rassistische und antisemitische Schmierereien und Aufkleber im Stadtgebiet Berlin dokumentierte und entfernte. In einer Fotoschau im Gymnasium sollen diese Arbeiten zwei Wochen lang zu sehen sein. Für die Öffentlichkeit wird die Schau am Samstag von 13 bis 16 Uhr gezeigt.

Graffiti-Kunst an Garagen: Mit Jugendlichen der Geschwister-Scholl-Mittelschule ist ein Projekt zur Verschönerung der Garagen am Hohen Hain geplant (500 Euro). Unter dem Motto "Grenzenlos farbenfroh" sollen die Schüler interkulturelle Graffiti-Kunst anbringen.

Bibel-Vortrag einmal anders : Am Montag, 24. September, wird der Schriftsteller und Theologe Martin Dreyer an die Pestalozzi-Mittelschule kommen. "Er wird in zwei Vorträgen am Vormittag den Schülern unter anderem aus seiner Volx-Bibel erzählen", informiert Ullrich Meyer von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Limbach-Oberfrohna, der das Projekt an der Schule mitbetreut. Martin Dreyer veröffentlichte 2005 die Volx-Bibel, in der das Neue Testament in leicht verständliche Jugendsprache übersetzt wurde. "Der Schriftsteller war zudem früher selbst in der Drogen-Szene und soll den Schülern klar machen, dass Probleme und Konflikte ohne Gewalt geklärt werden können", so Ullrich weiter. Das Projekt mit Dreyer schlägt mit 1200 Euro Kosten im Netzwerkbudget zu Buche. Um 19.30 Uhr liest er in der Stadtkirche aus der Volxbibel. Der Eintritt ist frei.

Ferien-Angebot für Bedürftige: Ein Gemeinschaftsprojekt haben Sabine Wilske, Direktorin der Gerhardt-Hauptmann-Mittelschule, Günter Schmeißer vom Schwimmsport- und Tauchsportverein sowie Armin Lucht vom Guidohof ins Leben gerufen: Sie wollen zwei bedürftigen und gefährdeten Schülern eine Woche Ferien auf dem Bio-Bauernhof ermöglichen (200 Euro). "Die Jugendlichen können dazu einen Tauchkurs bei uns im Bad besuchen. Das Ziel ist, ihnen eine neue Art des Lebens zu zeigen", so Schmeißer.

Selbstsicherheitstraining: Das Deutsche Rote Kreuz plant in der Zeit vom 1. November bis zum 30. April 2013 Kurse in den fünften Klassen der Schulen, um soziale Kompetenzen zu fördern und Selbstsicherheitstrainings anzubieten (7900 Euro).

KZ-Gedenken: Ein Projekt betrifft den Ortsteil Wolkenburg: Hier soll auf dem ehemaligen Malimo-Gelände, das früher eine Außenstelle des KZ Flossenbürg war, eine Gestaltung mit Pflanzen und Infomaterial vorgenommen werden (3000 Euro). "Das ist ein Projekt des Geschichtskurses vom Gymnasium, das wir sehr begrüßen, weil das Außengelände nicht in Vergessenheit geraten soll", sagt Dietrich Oberschelp.

Stadtschreiber: Das Projekt eines Stadtschreibers wurde vom Netzwerk des guten Willens zunächst auf Eis gelegt. Ein deutschsprachiger Literat sollte für ein Vierteljahr in der Stadt leben und anschließend ein Werk darüber verfassen im Sinne der Toleranzförderung. "Die Kosten mit etwa 3000 Euro für den Schriftsteller und 4000 Euro für den Druck waren uns zu hoch. Wir wollen das Vorhaben nicht aus den Augen verlieren, aber weiter darüber beraten", erläutert Dietrich Oberschelp. (mit bj)

Weitere Projekte sind die Vorführung des Films "Die Zuflucht" von Holocaust-Überlebenden im Apollo Kino am 6. Oktober, (500 Euro) und die Gründung eines Kulturforums Limbach-Oberfrohna (2000 Euro), das in der Stadtbibliothek zu Autorenlesungen und Gedankenaustausch animieren soll.

 

 
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